(Quelle: Spotify)
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Von Gemüsebrühe über Ketchup bis Kaffee und Himbeeressig - Am gestrigen Produktionstag haben wir unglaubliche 11 unterschiedliche Produkte hergestellt. Der ganze Wahnsinn ist dokumentiert unter http://produktionstag.tumblr.com/

Wo auch immer Wortspiele auftauchen, ist von Qualität auszugehen - Wer präferiert nicht einen Fleischer mit dem Slogan „GeWurst wie“ oder verbrächte seine Abende gern auf den Technoparties der „Prostitunes“.
Grund genug, um im Rahmen eines Experimentalmittagessens herauszufinden, was wohl Unfassbares passiert, wenn man Panirkäse wirklich einmal paniert.
Mit der klassischen Dreitellerstrategie die Panirstreifen in Mehl/Salz/Pfeffer, dann Ei und drittens Paniermehl wälzen und schließlich in heissem Olivenöl goldbraun braten.
Um ihnen etwas Geschmack zu verleihen, ein schnelles Pesto aus Basilikum, Minze, Sonnenblumenkernen, Olivenöl und Zitronensaft direkt auf dem Küchenbrett herstellen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Das Ganze auf ein paar Blattsalaten mit halbierten Cocktailtomaten einfach mit einer frischen Vinaigrette (z.B. aus diesem Rezept) anrichten.
Ergebnis des Experiments: Ein Teller, der aussieht, als würde eine Fischstäbchenfamilie ein Sonnenbad auf einer Blattsalatwiese nehmen, aus Angst vor Hautalterung viel zu dick eingecremt mit Lichtschutzfaktor 35 - Pesto. Nun ja. Wortspiele.
PS: Ich frage mich bei jedem Besuch im Norden, ob es eigentlich einen Friseur mit dem Namen „Hamburg Haarburg“ gibt. Für sachdienliche Hinweise wär ich sehr dankbar.

Ich bin mir sicher: Die meisten Rezepte werden an Sonntagen, irgendwann am späten Nachmittag erfunden, ziemlich genau zu Beginn des letzten Drittels der Blutalkohol-Eliminationsphase, wenn der vormittägliche Post-GinTonic-Kopfschmerz gerade im Begriff ist abzuklingen und der innere Kalender einem gleichzeitig mitteilt, dass a) am Abend Gäste bekocht und damit gefälligst auch beeindruckt werden möchten, und b) zudem alle relevanten Geschäfte für den notwendigen Kauf von Lebensmitteln innerhalb der nächsten 18h Stunden nicht mehr zu öffnen gedenken.
Hier beginnt die unendliche Schönheit der Rezeptimprovisation, im Kopf des designierten Kreativkochmeisters bekannt als – Panik. Was ist überhaupt noch an Resten vorhanden, die unmerklich zu etwas Akzeptablem kombiniert werden können? Welches Gemüse ist noch essbar und welches auch selbst nach Abschälung der grünlichen Pelzkruste nicht mehr als knackig und glänzend zu verkaufen? Wird der Dönermann vom Eck erneut ein Einsehen haben und gegen kleines Geld Gemüse herausrücken, welches nicht vorher kleingehäckselt in den Aggregatzustand „Versalzene Falafel im Brot“ versetzt werden mußte?
Inventurergebnis in meinem Fall: Ein halber Granatapfel, diverse Erbsen, zudem Charlotten, letzteren mittels ein paar gezielter Nip-Tuck-Moves durch Entfernung alter Hautschichten zu neuer Jugend verholfen. Dann ein Basilikumstrauch auf dem Küchentisch, Knoblauch, Restsahne, und ein paar Schafskäse- und Parmesanstumpen. Zusammengefasst ein brauchbares Arsenal an Genießbarem, maximal kombinierbar zu etwas Langweiligen – wäre da nicht die gelbe Tüte mit Teigwaren, die ich, offenbar noch bei klarem vorwochenendlichen Verstand, auf dem Wochenmarkt gekauft und dann zum Zweck des Vergessens im Kühlschrank geparkt hatte. Teigwaren, mittels derer ich nicht nur eine weitere geschmackliche Dimension an die anderen 2D-Zutaten schrauben, sondern auch noch bei der verbalen Ankündigung des Abendessens eine Reaktion zwischen anerkennendem Nicken und „Seven Nation Army“ – Freudenchor erwarten konnte: Frische Gnocchi mit einer Füllung aus Trüffel und Ziegenkäse.
Als Basis für die Sauce die Charlotten mit dem Knoblauch in etwas Olivenöl glasig anbraten. Dann mit der Sahne ablöschen, Erbsen, Salz, Pfeffer, Muskatnuss und den dünnen Streifen Schafskäse zur Verfeinerung hinzufügen. Währenddessen die Granatapfelkerne aus ihrem Schalenhäuschen befreien und waschen. Dann die Pasta in die Pfanne, vier Minuten direkt in der Sauce erhitzen, im Anschluss direkt auf dem Teller mit Kernen, Basilikum und Parmesan anrichten. Dazu als Getränkeempfehlung: Konter - GinTonic.
1986 bekam ich zu Weihnachten einen Zauberkasten von Ravensburger. Auf der Packung abgebildet war ein glückliches Kind in der Kluft eines aus heutiger Sicht prähistorischen Harry Potters, umrahmt von einem funkelnden Sternenmeer und schwebenden Karten, einem schimmernden Zauberstab sowie einer Menge weiterer magischer Versprechensvisualisierungen. Das Ganze mit dem Claim „Tricks, die garantiert gelingen“ untertitelt. Der Inhalt der Packung war eine Ansammlung aus Müll. Schaumstoffwürfel, ein schwarzer hohler Plastikstab mit beweglichen Enden, eine olle Kordel und noch mehr Dinge, die eher wie ein Sammelstarterset für Messis als wie der Ursprung grenzwissenschaftlicher Illusionsspielchen anmuteten. Noch schlimmer: Jegliche Tricks beschränkten sich darauf, mittels des Plastikabfalls durch ein paar hirnlose Ablenkungen das Publikum zu bescheissen (sprich: „verzaubern“). Keine Spur von echter Magie, kein Funken Übernatürliches. Der Kasten wanderte in den Spieleschrank, der Termin meiner ersten Vorstellung vor Publikum wurde auf ein ewiges „tba.“ gesetzt.
Heute, ziemlich genau 25 Jahre später, beherrsche ich endlich einen RICHTIGEN Zaubertrick, und zwar einen, der nicht auf Betrug, sondern der wundersamen Verwandlung zweier Flüssigkeiten in ein festes Lebensmittel beruht, ohne zusätzliche Hilfsmittel und für den Betrachter absolut und vollkommen unerklärlich (außer dieser besitzt Grundkenntnisse in Chemie): Der Herstellung von indischem Panirkäse! Zauberutensilien: Milch und Branntweinessig.
Erstere in einen großen Topf füllen und so lange erhitzen, bis sie überzukochen beginnt. In exakt diesem Moment den Essig hinzugeben (Auf einen Liter Milch drei Esslöffel) und das Ganze vom Herd nehmen, sofern man eine milchgeflutete Küche zu verhindern gedenkt. Hier passiert nun der Magie erster Teil: Die Milch gerinnt zwangsweise und kann nun in ein mit einem Stoffhaushaltstuch ausgekleidetes Sieb gekippt werden. Mit Wasser die Molke rausspülen, den Restbatzen ins Tuch wickeln, Flüssigkeit ausdrücken und dann von einem gefüllten Topf o.ä. beschwert zwei Stunden stehen lassen, wodurch sich dann der zweite Teil, die Verfestigung des Käses, abspielt.

Danach ist er direkt verwendbar für alle Arten indischer Currys und, wie in meinem Fall, um mittels einer Einladung zu einem selbstgekochten Abendessen drei Jahre vergessene Geburtstagsglückwünsche zu kompensieren.
Zur Vorbereitung des Shahi Panir eine knappe Handvoll Cashewkerne in etwas Milch einweichen und mittels eines Pürierstabs zu Brei zermahlen. Zwei mittelgroße Zwiebeln mit drei Zehen Knoblauch, einem Männerdaumen Ingwer und einem halben TL Chilipulver in einem vorgeheizten Wok mittels Hilfe von Erdnussöl anbraten, alle sperrigen Zutaten vorher natürlich kleinstgehackt. Dann eine Dose zerkleinerte Tomaten sowie eine gewürfelte Süßkartoffel hinzugeben und das Ganze 10 Minuten kochen.
In der Zwischenzeit mit dem Garprozess des Basmatireis beginnen, damit er nach ca. 20 Kochminuten zeitgleich serviert werden kann.
Nun den Cashewbrei in den Wok kippen, ergänzt durch jeweils zwei Teelöffel gemahlenen Kreuzkümmels, Korianderpulvers und Garam Masalas. Noch einmal zehn Minuten köcheln, damit die Kartoffelwürfel Zeit zum Garen erhalten, unter Umständen mit etwas Wasser die Soßenkonsistenz nachregulieren.
Am Ende den Panirkäse unterheben und kurz ziehen lassen. Dann das Ganze direkt mit dem inzwischen fertigen Reis anrichten, angereichert durch ein wenig Blattsalat mit Schafskäse und Sonnenblumenkernen sowie der Granatapfelvinaigrette vom letzten Mal und rein damit in den dreifach nachträglichen Geburtstagsmagen.
Ergebnis des zwimagischen Turniers: Indisches Essen: 1, Ravensburger Zauberkasten: 0

Trotz des nunmehr vom Endzeitexperten Harold Camping rechnerisch auf den 21. Oktober korrigierten Weltuntergangsdatums schien sich der gestrige Abend nicht unbedingt daran halten zu wollen und mindestens einen Vorgeschmack auf eine kommende Sintflut zu bieten. Also lieber kein Risiko eingehen und sich etwas nicht ganz so Schweres zum Abend einverleiben, man weiss ja nie, ob man um drei Uhr nachts nochmal um sein Leben schwimmen muss, weil das apokalyptische Hochwasser bereits im 3. Stock steht und man sich zudem ärgert, weil das Baden mit vollem Magen so ungesund ist. Daher eine leichte Wahl mit Auftriebspotential, in diesem Fall ein Blätterteigpäckchen mit Käseinhalt, gebettet auf Feldsalat und zugedeckt mit granatapfelhaltigen Dingen wie z.B. Granatapfel.
Zunächst gilt es, den Feldsalat zu säubern und reinigen. Aus Olivenöl, Honig, natürlich Granatapfelessig sowie Salz und Pfeffer läßt sich im Verhältnis 3 : 1 : 2 : 2mal ordentliche Prise eine entsprechend elegante Vinaigrette basteln. Eine Hand voll Cashewkerne als Vorzeichen des baldigen Röstens in ein Alufoliennest legen. Einen Granatapfel teilen, die Kerne auslösen und das weisse, davon besprenkelte T-Shirt direkt in den Müll schmeissen.
Den Backofen auf 200 Grad vorheizen und währenddessen zwei aufgetaute Blätterteigplatten jeweils in zwei gleichgroße Quadrate teilen, ein mutiger Schnitt durch die Mitte sollte das erledigen. Je nach Hunger 60-100g Ziegenfrischkäse auf eines dieser Quadrate positionieren, in diesen ein St. George´s Cross aus Honig einlassen und mit Thymian bestäuben.

Dann die Teigränder mit etwas Eigelb bestreichen, Deckel von oben drauf und die Ränder zusammenpressen. Das restliche Eigelb oben aufs Köfferchen streichen, damit er nach der Backofenphase auch schön kofferig glänzt. Für ca. 20 Minuten der Hitze des Ofens aussetzen, die letzten 15 davon in Nachbarschaft der Cashewkerne. Den Feldsalat anrichten, in die Mitte den Käsekoffer betten, das Ganze mit den möglichst noch warmen Cashew- sowie den Grantapfelkernen garnieren und dann mit der Vinaigrette großzügig benetzen.
Beim Verzehr dann darauf achten, das eigene Karmakonto nicht mit unreinen Gedanken noch weiter in den Dispo zu drücken und stattdessen auf baldigen Sonnenschein hoffen. Zumindest dieses Mal hat das offenbar hervorragend funktioniert.